HWB-Wert: Was der Heizwärmebedarf im Energieausweis bedeutet

Der HWB-Wert ist die bekannteste Zahl im österreichischen Energieausweis. Er steht in jedem Immobilieninserat und sagt, wie viel Wärme ein Gebäude pro Quadratmeter und Jahr braucht. Hier erfahren Sie, wie Sie den Wert lesen, welcher HWB gut ist und was er für Ihre Heizkosten bedeutet.

Kurz gesagt

  • HWB = Heizwärmebedarf, angegeben in kWh pro m² und Jahr (kWh/m²a).
  • Er zeigt die Qualität der Gebäudehülle: Wände, Dach, Fenster, Keller.
  • Je kleiner, desto besser. Unter 50 kWh/m²a ist gut, über 150 deutet auf Sanierungsbedarf.
  • Der HWB muss in jedem Verkaufs- und Mietinserat stehen.

Was ist der HWB?

HWB steht für Heizwärmebedarf. Er gibt an, wie viel Wärme den Räumen zugeführt werden muss, damit sie während der Heizsaison die normierte Innentemperatur halten. Die Heizung selbst, Warmwasser und Strom spielen dabei keine Rolle.

Deshalb ist der HWB ein reiner Kennwert für die Gebäudehülle: Ein gut gedämmtes Haus mit dichten Fenstern verliert wenig Wärme und hat einen niedrigen HWB – egal, ob es mit Gas, Pellets oder Wärmepumpe beheizt wird. Wie effizient die Heizung arbeitet, zeigt ein anderer Wert, der Endenergiebedarf (EEB).

Die Einheit ist kWh/m²a: Kilowattstunden pro Quadratmeter Brutto-Grundfläche und Jahr. Die Brutto-Grundfläche (BGF) umfasst auch die Wände und ist rund ein Viertel größer als die Wohnfläche.

HWB_Ref, SK und RK: Welcher Wert ist gemeint?

Auf dem Energieausweis stehen mehrere HWB-Varianten. Für Käufer, Mieter und Inserate zählt eine:

Abkürzung Bedeutung Wofür
HWB_Ref,SK Referenz-Heizwärmebedarf am Standortklima Das ist „der HWB“ im Inserat und die Grundlage der Effizienzklasse
HWB_SK Heizwärmebedarf am Standortklima mit der tatsächlichen Lüftung technischer Detailwert
HWB_Ref,RK Referenz-Heizwärmebedarf am Referenzklima macht Gebäude an verschiedenen Orten vergleichbar, etwa bei Förderungen

SK heißt Standortklima: Gerechnet wird mit dem Klima am Ort des Gebäudes. Dasselbe Haus hat deshalb in Innsbruck einen anderen HWB als in Wien. RK heißt Referenzklima: ein einheitliches Rechenklima für ganz Österreich.

HWB-Wert Tabelle: die Effizienzklassen

Der HWB wird auf einer Skala von A bis G eingeordnet. Es gibt derzeit zwei Skalen, weil die neue OIB-Richtlinie 6 (Ausgabe September 2025) erst in Wien und Tirol gilt.

Bisherige Skala (OIB-Richtlinie 6, Ausgabe 2019 – die meisten Ausweise in Österreich)

Klasse HWB_Ref,SK bis Einordnung
A++ 10 kWh/m²a Passivhausniveau
A+ 15 kWh/m²a sehr effizient
A 25 kWh/m²a sehr effizient
B 50 kWh/m²a gut
C 100 kWh/m²a mittel
D 150 kWh/m²a mäßig
E 200 kWh/m²a schlecht
F 250 kWh/m²a schlecht
G über 250 kWh/m²a sehr schlecht

Neue Skala (OIB-Richtlinie 6, Ausgabe September 2025 – Wien und Tirol seit Juli 2026)

Klasse HWB_Ref,SK
A bis 40 kWh/m²a
B über 40 bis 60
C über 60 bis 75
D über 75 bis 85
E über 85 bis 100
F über 100 bis 120
G über 120

Die neue Skala ist deutlich strenger. Zusätzlich rechnet sie mit 20 statt 22 °C Innentemperatur, wodurch der HWB-Wert selbst um rund 12 % niedriger ausfällt. Ein Haus mit 95 kWh/m²a war bisher Klasse C, im neuen Format ist es Klasse E – ohne dass sich am Gebäude etwas geändert hat. Vergleichen Sie Inserate deshalb immer innerhalb derselben Skala. Mehr dazu: Energieklassen erklärt.

Was ist ein guter HWB-Wert?

  • unter 25 kWh/m²a: Niedrigst- oder Passivhausstandard. Die Heizkosten sind sehr gering.
  • 25 bis 50 kWh/m²a: guter Neubau oder gründlich sanierter Altbau.
  • 50 bis 100 kWh/m²a: solider Bestand, oft mit neuen Fenstern oder teilweiser Dämmung.
  • 100 bis 150 kWh/m²a: durchschnittlicher, kaum sanierter Bestand. Eine Dämmung lohnt sich meist.
  • über 150 kWh/m²a: hoher Wärmeverlust. Rechnen Sie mit hohen Heizkosten und Sanierungsbedarf.

Bei Wohnungen in Mehrparteienhäusern liegt der HWB oft niedriger als bei frei stehenden Häusern gleichen Alters, weil Nachbarwohnungen Wärme abgeben und weniger Außenwand vorhanden ist.

Vom HWB zu den Heizkosten

Der HWB nennt keine Euro-Beträge, aber Sie können die Größenordnung abschätzen:

  1. Heizwärme pro Jahr = HWB × Brutto-Grundfläche. Beispiel: 100 kWh/m²a × 120 m² = 12.000 kWh.
  2. Energie, die Sie einkaufen = Heizwärme ÷ Wirkungsgrad der Heizung. Eine Gasheizung mit rund 90 % braucht dafür etwa 13.300 kWh Gas, eine Wärmepumpe mit Jahresarbeitszahl 3,5 nur rund 3.400 kWh Strom.
  3. Kosten = eingekaufte Energie × Ihr Preis pro kWh.

Warmwasser kommt noch dazu. Das Ergebnis ist ein Richtwert: Wie warm Sie heizen und wie oft Sie lüften, verändert den tatsächlichen Verbrauch stark. Für Ihre eigenen Zahlen nutzen Sie den HWB-Rechner.

HWB und Energiekennzahl

Früher sprach man in Österreich oft von der Energiekennzahl (EKZ). Gemeint war in der Regel der Heizwärmebedarf pro Quadratmeter. In älteren Förderrichtlinien und Bauunterlagen taucht der Begriff noch auf. Heute verwenden Energieausweis und Gesetz den Begriff HWB.

Wo steht der HWB im Energieausweis?

Auf Seite 1 oben, gemeinsam mit der Effizienzklasse. Bei Ausweisen im bisherigen Format steht daneben der fGEE, im neuen Format der Endenergiebedarf (EEB). Seite 2 enthält die Detailwerte wie HWB_SK und die Flächen. Eine Erklärung aller Felder finden Sie unter Energieausweis lesen.

Pflicht im Inserat

Wer verkauft oder vermietet, muss den HWB im Inserat angeben – seit 1. Juli 2026 zusammen mit dem Endenergiebedarf samt Klasse, bei älteren Ausweisen zusammen mit dem fGEE. Fehlt die Angabe, drohen bis zu 1.450 € Strafe. Details: EAVG erklärt.

Sie brauchen einen Energieausweis? Eine Wohnung gibt es online ab rund 60 €, ein Haus ab rund 108 €. Alle Preise im Vergleich.

Häufige Fragen

Was bedeutet HWB im Energieausweis?

HWB steht für Heizwärmebedarf. Er gibt in kWh pro m² und Jahr an, wie viel Wärme nötig ist, um das Gebäude warm zu halten. Er beschreibt die Qualität von Wänden, Dach, Fenstern und Boden.

Welcher HWB-Wert ist gut?

Unter 50 kWh/m²a gilt als gut, unter 25 als sehr gut. Werte über 150 kWh/m²a deuten auf hohe Heizkosten und Sanierungsbedarf hin.

Ist ein hoher oder ein niedriger HWB besser?

Ein niedriger. Je kleiner der HWB, desto weniger Wärme verliert das Gebäude.

Welche HWB-Klasse hat ein Altbau?

Unsanierte Altbauten liegen meist in den Klassen D bis G der bisherigen Skala. Nach einer Sanierung mit Dämmung und neuen Fenstern sind oft B oder C möglich.

Warum hat dasselbe Haus im neuen Ausweis eine schlechtere Klasse?

Weil die Klassengrenzen der OIB-Richtlinie 6 aus 2025 strenger sind. Klasse C endet dort schon bei 75 statt bei 100 kWh/m²a.

Bezieht sich der HWB auf die Wohnfläche?

Nein, auf die Brutto-Grundfläche. Sie ist größer als die Wohnfläche, weil sie auch Wände einschließt.

Preise vergleichen